Ein Quartier, benannt nach einer Fabrik
Zürich-West ist kein amtlicher Name. Gemeint ist der nördliche Teil des Kreises 5 zwischen Hardbrücke, Limmat und Bahngleisen – das Quartier Escher Wyss, benannt nach der Maschinenfabrik, die hier über hundert Jahre lang Schiffe, Turbinen und Maschinen baute. Als die Industrie ging, blieben die Hallen. Aus ihnen wurde seit den 1990er-Jahren das, was Zürich heute unter Zürich-West versteht: ein Viertel aus Theater, Kunst, Clubs, Bars und Büros.
Chronik in Jahreszahlen
- 1805 Hans Caspar Escher und Salomon von Wyss gründen eine Spinnerei mit mechanischer Werkstatt – die Keimzelle von Escher Wyss. (Quelle)
- 1837–1914 In den Werkstätten von Escher Wyss entstehen über 600 Schiffe – für den Zürichsee, die Donau und das Schwarze Meer. (Quelle)
- 1891–1895 Escher Wyss zieht vom Neumühlequai in die Hard. Das Quartier erhält den Namen der Firma. (Quelle)
- 1894 Der Eisenbahnviadukt wird gebaut – über hundert Jahre später das «Im Viadukt». (Quelle)
- 1897 Erste Hardbrücke; die Brauerei Löwenbräu baut ihren Backsteinbau. (Quelle)
- 1944 An der Schiffbaustrasse 3 entsteht ein Gebäude für eine Materialprüfanstalt – später die Labor-Bar.
- 1969 Sulzer übernimmt Escher Wyss. Im selben Jahr beginnt der Bau der heutigen Hardbrücke, eröffnet 1972. (Quelle)
- 1986 Die Brauerei Löwenbräu schliesst. Zehn Jahre später ziehen Kunsthalle und Migros Museum ins Areal. (Quelle)
- 1993 Der Technopark wird auf ehemaligem Industrieland fertiggestellt. (Quelle)
- 1997 Im März öffnet der Techno-Club Rohstofflager an der Josefstrasse 224. (Quelle)
- 2000 Im September eröffnet das Schauspielhaus die umgebaute Schiffbauhalle mit Christoph Marthalers «Hotel Angst». (Quelle)
- 2006 Der Freitag-Turm aus Frachtcontainern entsteht an der Geroldstrasse; nebenan öffnet der Club Hive. (Quelle)
- 2010 Im Viadukt: erste Läden am 1. April, öffentliche Eröffnung am 4. September. (Quelle)
- 2011 Am 6. Dezember eröffnet der 126 Meter hohe Prime Tower – mit der Bar Clouds im 35. Stock. (Quelle)
- 2012 Frau Gerolds Garten öffnet als Zwischennutzung; Ende August eröffnet das umgebaute Löwenbräu-Areal. (Quelle)
Die Club-Ära
In den späten 1990er- und 2000er-Jahren wurde das Quartier zum Zentrum der Zürcher Clubkultur. Das Rohstofflager öffnete 1997 an der Josefstrasse, später zog es nach Oerlikon. 2006 kam der Hive an der Geroldstrasse dazu. Gleich gegenüber dem Schiffbau lag an der Schiffbaustrasse 3 die Labor-Bar, eine Bar im Fernsehstudio – Kulisse einer Talkshow und Schauplatz von Partys wie dem Sunday Trash.
Zürich-West heute
Heute ist Zürich-West dichter bebaut und ruhiger als zur Club-Zeit. Unter den Bögen des Viadukts liegen Läden und Lokale, der Prime Tower trägt im 35. Stock die Bar Clouds, Frau Gerolds Garten öffnet jeden Sommer zwischen Gleisen und Hochhaus. Im ganzen Kreis 5 zählt der Atlas 43 Lokale. Die Rooftop-Adressen stehen unter Rooftop-Bars in Zürich.